Monatsbericht "Januar 2011" für die Ithumba-Gruppe:
Mit dem neuen Jahr machten 29 Elefantenwaisen den endgültigen Schritt zurück in die Wildnis und reihten sich in die wilde Herde aus Tsavos Norden ein: Yatta (die Hauptleitkuh), unterstützt von
Nasalot, Mulika und Kinna, als auch die Junior-Leitkühe, die oftmals noch kleine Splittergruppen anführen – Wendi, Loijuk, Sunyei, Galana, Naserian, Sidai, Lualeni, Lenana, Makena und Chyulu. (Ol
Malo wurde schon lange nicht mehr gesehen. Allerdings war sie schon immer sehr unabhängig, wenngleich auch ziemlich zerbrechlich. Sie verbrachte seit eh und je viel Zeit mit wilden Freunden oder
ganz allein, aber momentan fehlt uns jegliches Lebenszeichen.) Auch die verwaisten Jungbullen Napasha, Taita, Ndomot, Madiba, Buchuma, Rapsu, Challa, Kenze, Kamboyo, Zurura,
Orok, Tomboi und Kora gehören dieser Gruppe an.
Meibai, der objektiv gesehen noch ein Junior ist, pendelt zwischen den Großen und Kleinen hin und her. Weggelockt wird er regelmäßig von Galana, die ihn vergöttert. Erst am 12. Januar brachte sie
ihn zurück zur Gruppe, die noch von den Keepern betreut wird. Er kam an diesem Abend mit Galanas Splittergruppe (Naserian, Sidai und Sunyei), und weil er immer noch Milch braucht, brachten ihn
die Keeper zurück in den Stall mit Kilaguni, Sabachi, Suguta, Melia, Ithumbah, Chaimu und Tumaren. Galana und die anderen Ex-Waisen wollten Meibai partout nicht zurücklassen und
stürmten sogar den Stall, um ihn wieder heraus zu holen! Am Ende setzten sich jedoch die Keeper durch, und brachten Galana und Co. zurück ins Freie, wo sie sich die ganze Nacht aufhielten und
warteten. Meibai blieb bis zum 25. Januar bei den Keepern und dem Rest der Junior-Gruppe, bis er von der cleveren Galana wieder weggeschmuggelt wurde.
Alle Ex-Waisen kamen am frühen Morgen des 3. Januars ins Stallgelände und grasten zwei Stunden lang mit den Kleinsten, bevor sie sich wieder abseilten. Allerdings blieb Nasalot als Babysitter
zurück. Nasalot himmelt Kilaguni an und somit ist diese Aufgabe für sie eher ein Vergnügen als lästige Pflicht. Wendi hat sich Ithumbah als Schützling auserkoren, und Galana
bemuttert Meibai, wo es nur geht. Die Splittergruppen haben sich in diesem Monat oft mit den Jüngsten getroffen. Am Nachmittag des 9. und am 17. kamen Nasalot, Wendi, Galana, Sunyei und Tomboi
gegen 10 Uhr morgens mit einem wilden Freund im Schlepptau und blieben bis nach dem obligatorischen Schlammbad am Mittag. Am 21. Januar brachte Naserian eine der Splittergruppen zu der Stelle, an
der die Jüngsten grasten, mit dabei waren Lualeni, Kora und ein wilder Jungbulle. Schon am nächsten Tag kam Galana mit 11 Ex-Waisen zum Saufen ins Stallgelände, und am 24. war sie mit 17
Gefährten zum Grasen zurück. Als die Gruppe wieder ging, blieb Galana noch den ganzen Tag bei den Kleinen und brachte sie abends zu den Ställen zurück. Mit Anbruch des nächsten Tages war sie
zurück und verbrachte wieder den ganzen Tag mit den Jüngsten. Allerdings hatte sie das wohl alles gründlich geplant, denn am Nachmittag beim Grasen schlich sie sich mit Meibai davon, ohne dass
die Keeper etwas bemerkten! Die Keeper sind fest davon überzeugt, dass Galana völlig berechnend gehandelt hat, um ihren geliebten Meibai zu kidnappen!
Am 27. Januar war Wendi mit ihrer Splittergruppe und zwei wilden Bullen zurück, sie kamen zum Saufen an die Ställe. Tags darauf, am 28., nutzte eine wilde Familie die Stalltränke. Der kleine
Trupp bestand aus einer Elefantenmutter mit ihren drei Jungtieren: zwei Bullen (3 und 6 Jahre) und einer 9-jährigen Kuh. Die vier waren sichtlich entspannt und wälzten sich sogar genüsslich in
der Mini-Suhle auf dem Gelände. Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich wilde Herden ins Stallgelände wagen, und bedeutet einen großen Meilenstein. Es zeigt, dass wilde Elefanten wieder die
Region bevölkern, die sie vor 30 Jahren aufgrund der heftigen Wilderei in den späten 1970ern, 80ern und 90ern verlassen hatten. Unsere Waisen sind definitiv mitverantwortlich dafür, dass sich die
wilden Elefanten zurück wagen.
Im Laufe des Monats hatten sich Challa, Ndomot und Yattas wilder Rekrut Mgeni von der Herde abgeseilt und wurden viele Tage lang nicht gesehen. Umso erleichterter waren die Keeper, als Challa am
29. zusammen mit Wendi, Loijuk, Rapsu, Galana und Meibai auftauchte. Von Ndomot und Mgeni fehlt allerdings immer noch jede Spur, aber mit größter Wahrscheinlichkeit haben sich die beiden einer
wilden Herde angeschlossen.
Aber auch Yattas Gruppe tauchte am 11. Januar auf, begleitet von zwei ziemlich nervösen wilden Jungbullen. Die Keeper setzten sich ein wenig von der Gruppe ab, um die beiden nicht zu
verunsichern. Sie alle gemeinsam – inklusive der wilden Elefanten – badeten mittags zusammen. Am 30. Januar brachten Yatta, Mulika, Kinna und Nasalot Makena, Lenana, Chyulu, Sidai und die Jungs
Orok, Buchuma und Kenze mit. Begleitet wurden sie von zwei wilden Bullen, und alle verbrachten sie den ganzen Tag mit den Kleinen. Abends eskortierten sie sie noch zurück zum Stallgelände. Nur
Meibai glänzte durch Abwesenheit. Offenbar genoss sie ein paar Tage Wildnis mit Galana.
Der Monat endete mit einem Besuch der Großen Yatta, Mulika, Nasalot und Kinna, die eines Abends mit Makena (die erst kürzlich in die Gruppe aufgenommen wurde), Selengai, Lenana, Chyulu, Buchuma,
Taita, Orok und einem wilden Artgenossen. Nur wenige Tage verlebten die von den Keepern betreuten Waisen ohne ihre älteren Freunde. Die Trockenzeit schnallt den Gürtel jetzt wieder enger, die
Bäume werfen ihre Blätter ab und alle stellen sich auf den tropischen „Winter“ ein.
Von den jüngeren Waisen, die noch von den Keepern betreut werden, führen Ithumbah und Suguta die Gruppe an. In letzter Zeit haben sich aber auch Melia und Chaimu eingebracht.
Kilaguni und Sabachi, die einzigen Bullen neben den fünf kleinen Kühen, haben viel Spaß bei ihren täglichen Raufereien und versuchen auch ihr Glück bei Meibai, wenn er in der Nähe ist. Meibai
verspürt offenbar ab und an Appetit auf Milch und bekommt seinen Teil, wann immer er auf Besuch kommt. Er genießt sichtlich die Vorzüge der Wildnis gemeinsam mit Galana, zeitgleich aber auch die
Annehmlichkeiten bei seiner menschlichen Ersatzfamilie. Es ist herzerwärmend zu sehen, wie groß und stark und glücklich dieser kleine Bulle geworden ist, wenn man an den Tag seiner Ankunft in der
Nursery 2009 zurück denkt, als er abgemagert und schwach dem Tod nur knapp von der Schippe sprang!
Text © reaev